Teil 3 - Warum Pflegeheime trotz voller Betten Verluste machen

Pflegeheim voll belegt, trotzdem rote Zahlen? Das steckt hinter der Kostenstruktur von Pflegeeinrichtungen – verständlich erklärt für Controlling und Leitung.

Eine Frage, die viele beschäftigt


„Wir haben 98 % Auslastung – warum machen wir trotzdem keinen Gewinn?“

Diese Frage ist kein Einzelfall. Sie zeigt ein grundlegendes Missverständnis darüber, wie die Kostenstruktur von Pflegeheimen funktioniert. Auslastung ist wichtig – aber sie ist keine Garantie für Wirtschaftlichkeit. Die entscheidende Frage ist: Was kostet ein belegter Platz – und was bringt er wirklich ein?

Die Kostenstruktur eines Pflegeheims – einfach erklärt

 

  1. Personalkosten (ca. 65–75 % der Gesamtkosten)
    Das ist mit Abstand der größte Kostentreiber. Pflegepersonal, Hauswirtschaft, Verwaltung, Küche, Haustechnik – all das muss bezahlt werden, und zwar unabhängig davon, ob gerade alle Plätze belegt sind oder nicht. Wenn Tarife steigen, steigen die Kosten sofort. Wenn Stellen durch Zeitarbeit gedeckt werden, steigen sie überproportional.
  1. Sachkosten und Infrastruktur (ca. 15–25 %)
    Energie, Lebensmittel, Reinigung, Medizinbedarf, Verwaltungskosten. Diese Kosten sind teils variabel (steigen mit Belegung), teils fix (laufen auch bei Leerstand).
  1. Investitions- und Finanzierungskosten (ca. 10–15 %)
    Abschreibungen auf Gebäude und Ausstattung, Miete, Zinsen, Instandhaltung. Diese Kosten sind vollständig fix – sie laufen, egal was passiert.

Was „fix“ und „variabel“ bedeutet – und warum es wichtig ist


Ein fixer Kostenblock läuft unabhängig von der Belegung. Personal muss bezahlt werden, Miete läuft, Strom fließt. Das bedeutet: Bei einem Leerstand von 10 % sinken die Einnahmen um 10 % – aber die Kosten sinken kaum.

Die Konsequenz: Pflegeheime haben eine hohe Fixkostenlast. Sie müssen eine bestimmte Mindestauslastung erreichen, um überhaupt kostendeckend zu arbeiten. Diese Schwelle – der sogenannte Break-even – liegt in vielen Einrichtungen zwischen 85 und 93 % Auslastung.

Die Kostentreiber 2026 im Detail


Tarifsteigerungen

Pflegepersonal in Deutschland wird überwiegend nach Tarif vergütet. Wenn Tariflöhne steigen – und das tun sie seit Jahren – steigen die Personalkosten unmittelbar. Für Einrichtungen, die keinen entsprechenden Pflegesatz verhandelt haben, bedeutet das direkte Verluste.

Zeitarbeit / Leasingpersonal

Wenn eigenes Personal fehlt – durch Krankheit, Fluktuation oder Fachkräftemangel – greifen viele Einrichtungen auf Zeitarbeitsfirmen zurück. Das ist deutlich teurer. Ein Zeitarbeitnehmer kostet eine Einrichtung oft 30–50 % mehr als eine Festanstellung.

Energiekosten

Pflegeheime sind energieintensive Betriebe: Heizung, Warmwasser, Küche, Wäsche. Energiepreissteigerungen der vergangenen Jahre haben viele Einrichtungen getroffen – und sind nur begrenzt über Pflegesätze refinanzierbar.

Was das Controlling daraus lernt

 

Deckungsbeitragsrechnung einführen

Wer wissen will, ob ein Platz wirtschaftlich ist, braucht eine Aufschlüsselung: Was kostet ein Platz – nach Pflegegrad, nach Wohnbereich, nach Vollzeit vs. Kurzzeitpflege?

Fixkostenanteil kennen

Wie hoch ist die Mindestauslastung, die nötig ist, um Kosten zu decken? Das ist eine der wichtigsten Kennzahlen für jede Einrichtung – und die meisten kennen sie nicht.

Personalkosten detailliert tracken

Wie hoch ist der Anteil der Zeitarbeit? Wie hoch die Krankenquote? Wo entstehen Überstunden? Nur wer diese Zahlen kennt, kann steuern.

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