Teil 1 – Pflege 2026 Wirtschaftlich führen, sicher steuern
Pflege 2026: Was sich ändert – und was das für Ihren Betrieb bedeutet. Der Startartikel zur 7-teiligen Serie.
„Wir haben 98 % Auslastung – warum machen wir trotzdem keinen Gewinn?“
Diese Frage ist kein Einzelfall. Sie zeigt ein grundlegendes Missverständnis darüber, wie die Kostenstruktur von Pflegeheimen funktioniert. Auslastung ist wichtig – aber sie ist keine Garantie für Wirtschaftlichkeit. Die entscheidende Frage ist: Was kostet ein belegter Platz – und was bringt er wirklich ein?
Ein fixer Kostenblock läuft unabhängig von der Belegung. Personal muss bezahlt werden, Miete läuft, Strom fließt. Das bedeutet: Bei einem Leerstand von 10 % sinken die Einnahmen um 10 % – aber die Kosten sinken kaum.
Die Konsequenz: Pflegeheime haben eine hohe Fixkostenlast. Sie müssen eine bestimmte Mindestauslastung erreichen, um überhaupt kostendeckend zu arbeiten. Diese Schwelle – der sogenannte Break-even – liegt in vielen Einrichtungen zwischen 85 und 93 % Auslastung.
Tarifsteigerungen
Pflegepersonal in Deutschland wird überwiegend nach Tarif vergütet. Wenn Tariflöhne steigen – und das tun sie seit Jahren – steigen die Personalkosten unmittelbar. Für Einrichtungen, die keinen entsprechenden Pflegesatz verhandelt haben, bedeutet das direkte Verluste.
Zeitarbeit / Leasingpersonal
Wenn eigenes Personal fehlt – durch Krankheit, Fluktuation oder Fachkräftemangel – greifen viele Einrichtungen auf Zeitarbeitsfirmen zurück. Das ist deutlich teurer. Ein Zeitarbeitnehmer kostet eine Einrichtung oft 30–50 % mehr als eine Festanstellung.
Energiekosten
Pflegeheime sind energieintensive Betriebe: Heizung, Warmwasser, Küche, Wäsche. Energiepreissteigerungen der vergangenen Jahre haben viele Einrichtungen getroffen – und sind nur begrenzt über Pflegesätze refinanzierbar.
Deckungsbeitragsrechnung einführen
Wer wissen will, ob ein Platz wirtschaftlich ist, braucht eine Aufschlüsselung: Was kostet ein Platz – nach Pflegegrad, nach Wohnbereich, nach Vollzeit vs. Kurzzeitpflege?
Fixkostenanteil kennen
Wie hoch ist die Mindestauslastung, die nötig ist, um Kosten zu decken? Das ist eine der wichtigsten Kennzahlen für jede Einrichtung – und die meisten kennen sie nicht.
Personalkosten detailliert tracken
Wie hoch ist der Anteil der Zeitarbeit? Wie hoch die Krankenquote? Wo entstehen Überstunden? Nur wer diese Zahlen kennt, kann steuern.
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